Die Anti-Räusper-Offensive: Buchautor Joachim Aich zum Erfolgsgeheimnis Stimme

Jeder kennt das: Man will sprechen und räuspert sich erst mal, denn es schnürt einem schon im Vorhinein den Hals ein. Landläufig sagt man: „Ich habe einen Frosch im Hals.“ Würde man trotz dieses Froschs im Hals sprechen, hörte es sich vielleicht zunächst tatsächlich an wie Kermit, das heißt: eng im Hals. Viele versuchen das erst gar nicht, sondern räuspern sich den „Frosch“ weg. Und? Funktioniert das? Nein, es funktioniert meistens nicht. Was gemeinhin als Frosch bezeichnet wird, ist eine zu starke Anspannung der Muskeln im Hals und/oder im Kehlkopf. Diese Anspannung kann man nicht durch
noch mehr Anspannung lösen, sondern durch Ent-Spannung. Wie das geht? Summt man ein bisschen, als ob etwas Leckeres vor einem läge, und der Frosch gibt die goldene Kugel wieder her: Die Stimme wird wieder rund, glänzend und weich.

Soll man sich denn nie mehr räuspern?

Wenn dabei etwas Schleim von den Stimmlippen springt, dann war das Räuspern auch nötig. Manchmal hat man dadurch tatsächlich auch eine klarere Stimme. Aber bitte: Nicht zu fest, denn Räuspern ist eine starke Anspannung der Stimmlippen, die in diesem
Moment eigentlich Entspannung wollen, um sich auf die folgende Stimmaufgabe (zum Beispiel Sprechen) einzustellen, denen dies aber aufgrund äußerer Einflüsse wie Stress, Angst vor dem Sprechauftritt, Gewohnheit(!) nicht gelingt. Man bekommt vom Reflexzentrum im Hirn oder vom fehlgeleiteten Verstand gesagt: „Mach zu!“

Die Anti-Räusper-Offensive

Die Devise lautet: Hirn auszuschalten und das tun, was der Körper braucht. Also summen, schlucken, trinken. Egal wie gut einem das Räuspern bisher bekommen ist. Drei Dinge sollte man wissen: 1. Durch häufiges Räuspern kann ein unkontrollierter Räusperzwang entstehen. 2. Man kann sich seine Stimme heiser räuspern. Ein Teufelskreis. Spätestens beim Phoniater (Stimmfacharzt), der wegen Stimmstörungen behandelt, wird man eindringlich gesagt bekommen: „Nicht räuspern!“ 3. Man kann das Räuspern einfach lassen und stattdessen einfach summen.

„Oh nein, ich kann nicht summen!“

Viele Menschen haben Bedenken, dass sie niemals öffentlich summen könnten. Bevor man mit Sprechen dran ist, etwa vor einem Vortrag oder bei einer Konferenz, kann man ohne Weiteres ein bisschen sanft und leise vor sich hinsummen. Das hilft auch dabei, dem Gesprächsteilnehmer Verstehen oder Zustimmung zu signalisieren. Von da aus kann man dann locker den Einstieg ins Sprechen machen. Ebenso beim Telefonieren: Bevor der Telefonhörer abgenommen wird, kann ein bisschen gesummt werden, dann kommen die Worte gleich satt und voll. Die Stimmlippen brauchen etwas Zeit, ehe sie sich eingeschwungen haben.

Locker-locker-Übung

Für die Lockerung der Stimmlippen kann man folgendes tun: Den Kiefer öffnen (das geht bei offenem und bei geschlossenem Mund) und die Zunge, wann immer möglich, am Mundboden ruhen lassen. Die entsprechenden Muskeln, die dabei entspannt werden, sind sehr stark, das heißt, man gewinnt hier nun viel Lockerheit. Es ist auch ein anderes, unmittelbareres Zuhören. Man macht sich so bereit, den Schall und seine Information ohne Widerstand aufzunehmen. Durch die Lockerung von Kiefer und Zunge wird außerdem sichergestellt, dass nicht durch die unnötige Anspannung dieser Muskeln weitere unbeteiligte Muskeln angespannt werden, etwa die im Kehlkopf. Denn Muskeln sind durch Funktionsketten miteinander verbunden. Je mehr Muskeln, die im Moment nicht gebraucht werden, losgelassen werden, umso besser für Atmung, Stimme und die eigene Präsenz im Hier und Jetzt.

Fazit

Räuspern hat auch viele rhetorische Funktionen, wie zum Beispiel: „Ich möchte etwas sagen.“ „Oh, das ist mir aber peinlich.“ „Das machst du bitte nicht noch mal.“ „Ich möchte etwas Zeit gewinnen.“ Oder auch schlicht: „Ich bin auch noch da.“ Diese Informationen an
Zuhörer können entweder ersatzlos gestrichen oder aber mit Worten, Blickkontakt oder Gestik rübergebracht werden.

Stimmklang und Sprechausdruck sind kein Schicksal, sondern man kann gezielt daran arbeiten. Wer stimmlich und sprecherisch sympathisch und wirkungsvoll auftreten will, um seine Ziele besser zu erreichen, findet in dem Ratgeber von Joachim Aich reichlich Leseund
Hörstoff. Sein Buch Erfolgsgeheimnis Stimme (Cornelsen Verlag Scriptor, 19,95 Euro) vermittelt auf 188 Seiten wie das zu bewerkstelligen ist. Die beiliegende Audio-CD mit 40 Hörbeispielen und 30 Anleitungen für Sprechübungen macht im Nu „ohrenfällig“,
was geschrieben nur schwer vorstellbar ist. Joachim Aich ist studierter Sprecherzieher (DGSS) und seit mehr als zehn Jahren freier Radiosprecher beim Deutschlandfunk in Köln.

Joachim Aich
Das professionelle 1x1: Erfolgsgeheimnis Stimme
ISBN 978-3-589-23509-4
Cornelsen Verlag Scriptor 2009; Buch mit Audio-CD

(Quelle: Cornelsen)