Buchautor John Otto Magee im Interview

Träumen Sie eher auf Deutsch oder Englisch?

Magee: Ich lebe und arbeite in Deutschland seit dem Herbst 1988. Das Träumen auf
Deutsch fing in den allerersten Monaten an, als ich damals in Berlin West voll und ganz in den deutschen Alltag eintauchte und ganz bewusst jede Art von Kontakt zu USAmerikanern mied. Die Sprache ist der Schlüssel dazu, eine andere Kultur zu verstehen Will man als Amerikaner die Deutschen verstehen, muss man versuchen, die Deutschen in ihrer Wortwelt zu verstehen. Die Sprache ist der Schlüssel, der die Tür aufmacht. Er ermöglicht den Zugang. Hineinzutreten, die eigene Heimat und Kultur zu verlassen, ist die große Kunst.

Was ist Ihre Grundempfehlung bei einem deutsch-amerikanischen Merger?

Magee: Vereinfacht gesagt: Es gibt Unterschiede im Denken und Handeln zwischen
Deutschen und Amerikanern. Wenn man diese nicht erkennt und versteht, kann es in der Zusammenarbeit ernstzunehmende Probleme geben, die sich unmittelbar auf die Leistung, also auf die Geschäftsergebnisse, auswirken. Man kann nichts zusammenschließen oder fusionieren, was man nicht versteht. Die übliche Form der Merger-Integration greift aus zweierlei Hinsicht zu kurz: Erstens werden die nationalkulturellen Unterschiede nicht berücksichtigt. Zweitens wird der Begriff, ja das Ziel „Synergie“ falsch verstanden. Es geht nicht um Kostensenkungen. Es geht um die Kombination der Stärken in beiden Unternehmen. Es klingt paradox. In den Unterschieden liegt das enorme Potential.

Worin liegen die Unterschiede bei Amerikanern und Deutschen?

Magee: Die Unterschiede liegen in den grundlegenden Themen jeder menschlichen
Organisation: wie man kommuniziert, Abmachungen trifft und aufrecht erhält, wie man
überzeugt, Entscheidungen vorbereitet und trifft, Menschen führt beziehungsweise
geführt werden möchte, wie man Menschen motiviert, zu Höchstleistungen bringt oder
aber komplexe Arbeitsprozesse gestaltet und optimiert, wie man sich ein gutes Produkt vorstellt und zu Kunden eine Beziehung aufbaut, pflegt, vertieft. Ein
Unternehmenszusammenschluss ist wie eine Ehe oder Mannschaftssport: Harte Arbeit. Viel Zuhören. Selbstkritik. Geben und Nehmen. Verstehen, verstehen wollen und helfen zu verstehen. Ehe, Mannschaftssport – es gibt ein paar Bilder oder Situationen, die wir alle kennen. Die Dynamik ist immer die gleiche: Menschen kommen zusammen, wollen etwas auf die Beine stellen, aber haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie es funktionieren kann. Man versucht, miteinander klar zu kommen.

(Quelle: Cornelsen)